Zwei Stimmen von Teilnehmerinnen:
Mistelworkshop der GAPiD am 12. April 2010 in Kassel mit Dr. Hartmut Ramm vom Forschungslabor der Hiscia/Arlesheim Schweiz
Die GAPiD hatte am 12. April zu einem Workshop über die Mistel nach Kassel eingeladen. Dr. Ramm brachte für die Gruppe frisch geerntete Mistelzweige von Laubbäumen und Pinienbäumen mit. Es wurde gezeichnet, geschmeckt, Beeren zerquetscht und deren Kerne an Äste angedrückt und festgeleimt. Dr. Ramm berichtete über die Mythen, das Wachsen der Mistel und die Besonderheiten im Wachstum dieser außergewöhnlichen Pflanze. Einen so intensiven Kontakt zu dieser Pflanze zu bekommen, ist ein ganz eindrucksvolles Erlebnis.
Auch in der Natur die noch entlaubten Baumkronen, voll besetzt mit grünen Mistelkugeln, zu beobachten, vermittelt zusätzlich eine Idee von ihrer Vitalität und Kraft.
Unsere heimische weißbeerige Mistel ist ein Halbschmarotzer, aber sie bildet nicht die Form des Wirtsbaumes ab. Stattdessen entwickelt sie eine Kraft, die sie diesen Bildekräften entgegensetzt. Das alleine schon macht sie zu einem starken Heilmittel. Diese Polarität spiegelt sich auch in der Bildung ihrer wichtigsten Giftstoffe wieder: Lektine und Viscotoxine. Lektin – ein Pflanzengift - findet man vor allem im Zentrum der Kugel und in ihrem Senker mit der höchsten Konzentration zur Wintersonnenwende, Viscotoxin – verwandt mit Schlangengift! - in der Peripherie des Mistelbusches in den Blättern und Stängeln mit der höchsten Konzentration zur Sommersonnenwende. Aus den unterschiedlichen Zeiten der höchsten Giftkonzentration ergeben sich die unterschiedlichen Erntezeiten und deren getrennte Verarbeitung. Der Extrakt der Wintermistel wird auf einer hochtourig rotierenden Scheibe zentrifugalen Kräften unterworfen. In den Rand dieses Flüssigkeitsfilms wird der Sommermistelextrakt eingetropft und so nach den Angaben Rudolf Steiners vermischt. Erst dabei entsteht das eigentliche Heilmittel, der Mistelgesamtextrakt, Viscum 50%.
Vergleicht man die Gestaltbildung der Mistel mit der Gestalt „ normaler“ Blütenpflanzen, so ist ihr Anderssein besonders augenfällig: sie bildet eine klar abgegrenzte Kugelgestalt, während die Blütenpflanze vertikal dem Licht entgegen wächst.
Blüten, embryonale Blattbildung ohne Blattquirl, langsame Fruchtreifung über neun Monate, der vitale Zustand des Embryos in der von Licht durchfluteten Beere – ohne Licht stirbt der Embryo in kurzer Zeit - ,die Frucht anders als bei den übrigen Blütenpflanzen, keine Überlebens- und Ruhephase wie beim Samen, keine Wurzelbildung stattdessen ein Senker, kein Erdenbezug, aber kosmisch, der ganz eigene, aber streng geordnete Wachstumsrhythmus, all das drückt ihre Stärke aus und macht sie über Jahrhunderte zu einer mythischen Pflanze, die im Mittelalter zu den wichtigsten Heilmitteln überhaupt gehörte.
Seit Rudolf Steiner ist sie zu einem unverzichtbaren Arzneimittel der anthroposophischen Ärzte in der onkologischen Therapie geworden.
Es gibt bei genauer Pflanzenbeobachtung viele Hinweise darauf, warum sie gerade dort sinnvoll eingesetzt werden kann.
Sie ist ein Parasit und kann nur so lange leben, wie der Wirt sie ernährt. Sie nimmt dabei die Bildekräfte des Wirtsbaumes auf, ohne ihn abzubilden. Der Wirtsbaum tritt in einen Dialog mit dem Eindringling, die Mistel veranlasst ihn, vermehrt Leitbahnen zu bilden, um ihre Ernährung zu übernehmen – vergleichbar mit der Angiogenese des Tumors. Das ist die eine Seite.
Auf der anderen Seite hat sie, obwohl völlig autonom, einen ganz strengen eigenen Rhythmus, streng geordnet, im Vergleich dazu findet das Tumorwachstum völlig chaotisch statt. Die Mistel setzt sich kraftvoll den Bildekräften des Wirtsbaumes entgegen. Deshalb kann sie dem erkrankten Körper ein Bild geben, wie er dem chaotischen Krebswachstum kraftvoll begegnen kann.
Kurz gefasst möchte ich sagen: Die Mistelwirksamkeit, die sich aus der Pflanzenbeobachtung ableiten lässt, beruht einmal auf dem homöopathischen Prinzip des „Similia similibus currentur“. Auf der anderen Seite zeigt sie, wie der Körper sich dem Tumorwachstum kraftvoll widersetzen kann.
Wer sich einmal intensiv mit der Mistel auseinandersetzt, den wird sie so bald nicht mehr loslassen. So ist es mir ergangen.
Barbara Skudelny im April 2010




