Interne Weiterbildungsverordnung zur „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“
VORWORT
Mit dem folgenden Regelwerk legt die „Gesellschaft Anthroposophischer Apotheker in Deutschland (GAPiD) / Sektion PTA“ erstmalig eine interne berufliche Weiterbildungssystematik in Anthroposophischer Pharmazie für alle PTAs vor.
Damit möchten wir allen interessierten PTAs die Möglichkeit einer zusätzlichen anthroposophisch erweiterten Pharmazieausbildung anbieten und mit der dafür nötigen IWO (Internen WeiterbildungsOrdnung) die offizielle Anerkennung der Berufskammern zur/zum „PTA für anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ erlangen.
Für das Zustandekommen sagen wir den Apothekern, besonders den Vorstands- und den IWO-Mitgliedern der GAPiD herzlich Danke.
PRÄAMBEL
Die Weiterbildungsordnung (IWO) zur/zum „PTA für Anthroposophische Pharmazie(GAPiD)“ bildet den Rahmen für den Erwerb der fachlichen Kompetenz aller PTAs, die die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie als wichtigen Teil ihrer Berufsausbildung und ihres Berufsalltages begreifen.
Die Weiterbildungsordnung schafft die Grundlagen für eine offizielle Anerkennung als Weiterbildungsgebiet. Sie dient als Qualifikationsnachweis für den markenrechtlich geschützten Tätigkeitsschwerpunkt „ Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“. Darüber hinaus unterstützt sie die/den PTA, die Grundlagen einer anthroposophischen Pharmazie selbstständig handhaben zu können. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die die IWO sicherstellen will, betreffen alle Gebiete der Berufsausübung von PTAs.
Während PTAs früher viel mehr mit der Herstellung von Arzneimitteln betraut waren, stellt heute deren Abgabe und Beratung den Schwerpunkt vieler KollegInnen dar. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass es sich sowohl bei der Herstellung als auch bei der Abgabe (also der Weg des Naturstoffes zum Arzneimittel und des Arzneimittels zum kranken Menschen) um Prozesse handelt, die die Heilkräfte der Substanzen dem Gesundheit suchenden Menschen zugänglich gemacht werden sollen. Die Motivation und das Bewusstsein der/des PTA bei ihren/seinen Tätigkeiten sind demnach ein wichtiger Bestandteil der Qualität dieser Vorgänge und somit deren Heilwirkung. Die Weiterbildungsordnung bezieht daher neben der reinen Wissens- und Fähigkeitsvermittlung auch eine Persönlichkeitsentwicklung mit ein, auch wenn diese auf freiwilliger Basis beruht und nicht abprüfbar ist.
Eine ständige Fortentwicklung der IWO wird vom IWO Ausschuss SektionPTA gewährleistet. Das Papier wird spätestens alle 3 Jahre revidiert.
Die Berechtigung zum Führen des Titels „ PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ ist verbunden mit der Mitgliedschaft in der GAPiD/ SektionPTA, da es sich um eine interne Weiterbildung handelt.
WEITERBILDUNGSORDNUNG
§1 Voraussetzungen
- eine mit der bestandenen Prüfung zur PTA abgeschlossene Ausbildung.
- Eine mindestens einjährige Tätigkeit in einer öffentlichen Apotheke, einem pharmazeutischen Industriebetrieb oder einer Krankenhausapotheke (mindestens 20 Wochenstunden).
§2 Weiterbildungsziele
Die Weiterbildung zur „PTA für Anthroposophische Pharmazie(GAPiD)“ hat zum Ziel, dass:- Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten im Fachgebiet Anthroposophischer Pharmazie erworben, vertieft und erweitert werden.
- Diese dann im beruflichen Alltag zur Anwendung kommen.
- Eine persönliche, kontinuierliche Weiterentwicklung im Sinne der Selbstschulung angestoßen wird.
- Beratungskompetenz für Anthroposophische Arzneimittel entsteht.
- Sie zur permanenten Fort – und Weiterbildung in Anthroposophischer Pharmazie und Medizin anregt.
§3 Dauer der Weiterbildung
Die Veranstaltungen zum Erwerb des Titels „PTA für Anthroposophische Pharmazie(GAPiD)“ sind innerhalb von 3 Jahren zu absolvieren. In Ausnahmefällen kann die Weiterbildungszeit verlängert werden.Die mindestens zu erreichende Gesamtstundenzahl des Besuches der von der GAPiD anerkannten Seminare beträgt 120 Stunden.
§4 Inhalt der Weiterbildung
Abs. 1 Pflichtseminare/Kurse
Satz 1
Die/der TeilnehmerIn hat folgende Pflichtseminare zu besuchen:- Über die im Themenkatalog (siehe Anhang 1) unter „System der Anthroposophischen Medizin/Menschenkunde“ aufgeführten ersten vier Themengebiete
- Über sämtliche dort angeführten Themengebiete der Substanzlehre
- Kurse über besondere Herstellungsverfahren der Anthroposophischen Pharmazie
- Kurse über spezielle Arzneimittel der Anthroposophischen Medizin
Satz 2
es ist die Teilnahme an mindestens zwei praktischen Kursen in Anthroposophischer Pharmazie nachzuweisen. Die praktischen Kurse umfassen mindesten 32 Stunden und dienen dem Erüben spezieller Herstellungsweisen wie Potenzierverfahren und spezifischer Wärmeanwendungen mit Berücksichtigung der theoretischen Hintergründe (siehe Anhang III)Abs. 2 Selbstudium
Es wird vorausgesetzt, dass folgende Werke Rudolf Steiners studiert werden:- Einführung in die Anthroposophie, ausgewählte Texte, Rudolf Steiner
- Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, Rudolf Steiner GA27
- Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, Rudolf Steiner
- Das Wesen des Menschen, Rudolf Steiner
Abs. 3 Projektarbeit
In der Projektarbeit stellt die/ der TeilnehmerIn ein Anthroposophisches Arzneimittel in Eigenregie her und kann auch die Ratio dafür erstellen. Oder sie/er fertigt über die Dauer der Weiterbildung eine schriftliche Arbeit zu einem selbst gewählten Thema der Anthroposophischen Pharmazie an. Die schriftliche Arbeit soll einen angemessenen Umfang von 5 – 10 DIN A4 Seiten einnehmen.Diese Arbeiten stellen jeweils die Grundlagen für das Abschlussgespräch dar.
Abs. 4 Referentenstatus
Die Zusatzbezeichnung „Referent/in für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ ist die höchste Stufe der Weiterbildung. Zur Erlangung der Zusatzbezeichnung wird die Weiterbildung zur/zum „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ komplett durchlaufen.Zusätzlich wird ein Rhetorik– bzw. Präsentationsseminar von mindestens 8 Stunden Dauer belegt. Dieses Training vermittelt allgemeingültige Kommunikationsinhalte und braucht nicht speziell anthroposophisch ausgelegt sein. Empfehlungen für geeignete Seminare gibt die GAPiD an Absolventen/innen aus.
Den Abschluss dieser Weiterbildung bildet ein Vortrag zu einem selbst gewählten Thema in einer Realsituation, d.h. z. B. im Rahmen der GAPiD-Akademie Seminare, WELEDA oder WALA Seminaren oder einer weiteren GAPiD Veranstaltung.
Nach erfolgreicher Präsentation wird vom Prüfungsausschuss der GAPiD eine gesonderte Anerkennungsurkunde ausgestellt, die zum Führen der Zusatzbezeichnung „Referent/in für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ berechtigt.
Für bereits tätige Referenten gilt die Ausnahmeregelung.
Das Zertifikat wird gegen eine Aufwandsentschädigung von derzeit 50€ ausgestellt.
§5 Prüfungsausschuss
Der Vorstand der SektionPTA bestellt den Prüfungsausschuss. Dieser besteht aus mindestens 3 GAPiD SektionPTA Mitgliedern, von denen mindestens eine/einer dem Vorstand angehört. Der PTA-Prüfungsausschuss gliedert sich dem Prüfungsausschuss der Apotheker an. Der Prüfungsausschuss lädt ein.§6 Mentorenschaft
Es wird empfohlen, sich während der Weiterbildungszeit aus der Mitgliedschaft der GAPiD einen Mentor zu wählen. Der Vorstand erstellt eine Liste der Mentoren. Der Mentor versteht sich als fachlicher Begleiter und Ansprechpartner auf dem Weiterbildungsweg. PTAs sollen die Möglichkeit haben, aus der Liste der Apotheker einen Mentor wählen zu können.
§7 Ausnahmeregelung
Die Bezeichnung „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ kann auf Antrag bekommen, wer nachweislich eine mindestens 3-jährige praktische, pharmazeutische Tätigkeit in einem industriellen, anthroposophischen Herstellungsbetrieb oder in einer anthroposophischen Krankenhausapotheke ausgeübt und mindestens 60 Stunden betriebliche oder externe Fort– oder Weiterbildung in Anthroposophischer Pharmazie absolviert hat.
Die Bezeichnung „ Referent/in für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ kann auf Antrag zugesprochen werden, wer dem Prüfungsausschuss eine Kurzdarstellung der Referententätigkeit der letzten 2 Jahre und eine Ausarbeitung vorlegt, aus der die eigenständige Bearbeitung eines Themas nach dem Anhang „Themenkatalog der Anthroposophischen Pharmazie“ hervorgeht. Aus der Ausarbeitung geht außerdem hervor, dass der Antragsteller die Fähigkeit besitz, pharmakologisch relevante Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur zu beschreiben und zu verstehen. Der Prüfungsausschuss kann den Titel „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ in diesem Fall dem Bewerber gleichzeitig verleihen.
§8 Übergangsbestimmungen
Als Übergangsregelung gilt: GAPiD / SektionPTA – Mitglieder, die natürliche Personen sind und bis zum 31.12.2009 als Mitglied eingetragen sind, benötigen keinen Antrag auf „Anmeldung zur Weiterbildung“. Sie können direkt einen Antrag auf Führung des Titels „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ stellen. Dazu sind dem Prüfungsausschuss alle bis dahin erworbenen Weiterbildungs- und Tätigkeitsnachweise einzureichen. Danach erfolgt ein Abschlussgespräch.§9 Verwendung des Titels
Die Bezeichnung „PTA für Anthroposophische Pharmazie (GAPiD)“ berechtigt die/den PTA diesen Titel für eigene Zwecke, Z.B. Stempel, Logo, Werbung, Visitenkarten zu nutzen.§10 Gültigkeit
Diese Weiterbildungsordnung tritt durch Beschluss der MV am 13.04.2010 in Kraft.ANHANG
A: THEMENKATALOG DER ANTHROPOSOPHISCHEN PHARMAZIE
I System der Anthroposophischen Medizin/Menschenkunde
- Gesundheits-, Krankheitsbegriff, Salutogenese
- Wesensgliederkunde
- Therapieprinzipien
- Anthroposophische Therapiemethoden
- Kosmologische Menschenkunde
- Wesensgliederkunde
II Substanzlehre
- Sal- Sulfur – Merkur
- Evolution des Menschen und der Naturreiche
- Naturreiche und ihre Beziehungen zueinander
- Die umgekehrte Pflanze
- Substanzverständnis natürlicher Heilmittel
- (Metalle, Mineralien, Heilpflanzen, tierische Substanzen...)
- Ätherarten, Elemente
III Herstellungsverfahren/Arzneimittel – Herstellung
z.B.- Verfahren nach Wärmestufen
- Rhythmische Verfahren
- Potenzierung fester und flüssiger Heilmittel
- Metalldestillation
- Vegetabilisierte Metalle
- Kompositionen
IV Einzelne Anthroposophische Arzneimittel/Arzneimittelgruppen in den Aspekten Ratio, Herstellung und Therapie
z.B. die “Dorone”V Arzneimittelberatung/Kundenberatung
Beratung Anthroposophischer ArzneimittelVI Spezielle Gebiete (Auswahl)
- Biologisch – Dynamische Landwirtschaft
- Anthroposophischer Schulungsweg
- Wirkprinzipien der Anthroposophischen Arzneimittel
- Zulassung/Registrierung
- Wickel/Auflagen
- Komplementäre Medizin
- Klinische Forschung Anthroposophischer Arzneimittel
- Entwicklung Anthroposophischer Arzneimittel
- Mistelforschung
B: LITERATUREMPFEHLUNGEN
Im Folgenden sind Literaturempfehlungen zum Grundlagenstudium der Anthroposophischen Pharmazie/Medizin zu finden.
Literatur für den Schulungsweg
- Einführung in die Anthroposophie, Rudolf Steiner
- Grundlegendes für die Erweiterung der Heilkunst, Rudolf Steiner
- Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, Rudolf Steiner
- Das Wesen des Menschen, Rudolf Steiner
Literatur für Beratung und Praxis
- Vademecum, Anthroposophische Arzneimittel, herausgegeben von der Gesellschaft Anthroposophische Ärzte in Deutschland und der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften, Dornach/Schweiz mit einem besonders hervorzuhebenden Beitrag Ludger Simons zu den Grundlagen Anthroposophischer Arzneitherapie (Substanzen, Pharmazeutische Prozesse, Wirkprinzipien)
- Volker Fintelmann: Intuitive Medizin, Anthroposophische Medizin in der Praxis: Grundlagen – Indikationen – Therapiekonzepte, Hippokrates Verlag
- Michaela Glöckler – Die Kindersprechstunde, bzw. alle weiteren „Sprechstunden“ Bücher
- Anthroposophische Medizin in der Praxis 1 und 2
- Juliane Riedel – Gesund werden – Gesund bleiben
- Anthroposophische Medizin: Ein Weg zum Patienten, Michaela Glöckler, Jürgen Schürholz, Martin Walker, Verlag Freie Geistesleben
- Wesen und Signatur der Heilpflanzen, Roger Kalbermatten, AT Verlag
- Die Kräuterkunde des Paracelsus, Olaf Rippe und Margret Madejsky, AT Verlag
- Lexikon der Frauenkräuter, Margret Madejsky, AT Verlag
- Biographiearbeit – Lebensberatung, Mathias Wais, Urachhausverlag
- Info – Broschüren:
- Anthroposophische Medizin
- Anthroposophische Therapien
- Anthroposophische Medizin in Wissenschaft und Forschung
- Anthroposophische Arzneimittel
- Anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie
- Anthroposophische Pflege
- Der Merkurstab, Zeitschrift für Anthroposophische Medizin, Herausgeber: Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, Medizinische Sektion, Internationale Koordination Anthroposophische Medizin, Dornach/Schweiz, Dr. med. Michaela Glöckler und die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e. V., D. med. Matthias Girke
- Info 3, Anthroposophie im Dialog Zeitschrift zu Themen der Anthroposophie, Informationen unter www. Info3.de



